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Gesetz fordert genaue Abrechnung

Möglicherweise überdimensionierte Wasserzähler rechnen laut Kunden-Messungen in kleinen Haushalten rund 15 Prozent zu viel ab. Auf den SZ-Bericht vorige Woche meldeten sich Kunden aus dem ganzen Land.

Von SZ-Redakteurin Nicole Bastong

sn-wasserzähler

Lupe

Ob die vielerorts eingebauten Wasserzähler die richtige Größe haben, ist umstritten.Foto: SZ/Roi


Saarlouis. Im deutschen Eichgesetz, das den Verbraucher schützen soll, ist klar festgehalten: Der Wasserversorger „darf Fehlergrenzen nicht planmäßig zu seinem Vorteil ausnutzen.“ Ganz genau misst technisch bedingt kein Wasserzähler. Die Verkehrsfehlergrenzen dürfen maximal im unteren Belastungsbereich zehn Prozent mehr oder weniger betragen und im oberen Belastungsbereich vier Prozent – solange sich die Messfehler ausgleichen. Die Abweichungen von rund 15 Prozent, die Saarlouiser, Dillinger und Völklinger Wasserkunden gemessen haben, liegen eindeutig darüber.

Wie kann es dazu kommen? Der Einbau von Wasserzählern erfolgt bundesweit nach einer Empfehlung des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), dem Dachverband der Wasserversorger. Deren Arbeitsblatt W 406 berechnet die Zählerbemessung nach einer Formel, die die Zahl der Wohneinheiten, die Zahl der Personen pro Wohneinheit und den Pro-Kopf-Verbrauch einbezieht. Danach wäre aber für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem mittleren Tagesverbrauch von 130 Litern ein Zähler der Größe Q3= 2,5 mehr als ausreichend. Geht man nach dieser Formel, kann der Haushalt maximal 1625 Liter Wasser pro Stunde verbrauchen. Das heißt: Wenn alle Wasserhähne voll aufgedreht sind. Der Zähler der Größe Q3= 2,5 kann aber pro Stunde sogar einen maximalen Wasserdurchlauf von 3125 Litern messen.

Das Arbeitsblatt rät ausdrücklich nicht von kleinen Zählern ab, sondern davon, diese pauschal einzusetzen.

Der dagegen häufig verbaute Zähler Q3=4 deckt eine Bandbreite ab, die vom Singlehaushalt bis zum Mehrfamilienhaus mit 50 Wohneinheiten reicht. Dass sich durch diese große Bandbreite die Fehlergrenze ausweitet, liegt auf der Hand. Denn wenn Wasserzähler außerhalb ihrer Belastungsbereiche arbeiten, können erhebliche Fehlmessungen auftreten.

Thomas Buchholz, Leiter des Produktmanagements der Firma Zenner, die in Saarbrücken Wasserzähler herstellt, bezweifelt die hohe Fehlerquote von 15 Prozent. Er geht davon aus, dass die Messwiegetechnik, wie sie in Fernsehbeiträgen und auch von saarländischen Wasserkunden angewendet wurde, nicht realistisch sei: „Eine literweise Entnahme ist eine unrealistische Verbrauchsmenge.“ Verbrauchsstatistiken widersprechen dieser Annahme. Zenner stellt auch die nächstkleineren Zähler der Größe Qn 1,5 beziehungsweise Größe Q3=2,5 her. In Deutschland werden diese aber nicht verwendet. Buchholz ist sich jedoch sicher: „Ein kleinerer Zähler würde dasselbe Ergebnis bringen.“ Im Zweifelsfall könnte die Wasserrechnung sogar bei manchem Kunden höher ausfallen, weil der kleinere Zähler genauer zählt.

Meinung

Abrechnung ist kein Ratespiel

Von SZ-Redakteurin

Nicole Bastong

Jeder Verbraucher hat das Recht, genau das zu bezahlen, was er verbraucht hat. Jeder Versorger ist gesetzlich verpflichtet, diesen Verbrauch exakt nachzuweisen. Stattdessen werden pauschal Zähler einer Größe eingebaut. Abrechnung ist aber kein Ratespiel. Darüber zu streiten, ob kleinere Zähler genauer messen, ist müßig. Klarheit brächte eine Nacheichung in den Haushalten. Doch diesen Beweis scheuen die Versorger bislang. Und eine Frage bleibt offen: Wieso werden kleinere Zähler hergestellt und verkauft, aber nicht eingebaut? So jedenfalls wie derzeit gemessen wird, profitieren vielleicht die Wasserversorger, kaum aber die Kunden.


Beitrag vom: 13.07.2011, 00:12

Kommentare
LotharLatz
 2011.07.13 14:18

@Jürgen Lang
„Als ehemaliger stellvertretender Prüfstellenleiter für Wassermessgeräte“ sollten Sie dann auch wissen, dass die Mess- und Eich-/Kalibrierungsverfahren nicht „Gottgegeben“ sind, sondern von nicht unbedingt unabhängigen Sachverständigen einmal so festgelegt wurden.

Klar ist aber auch, dass bei den häufig eingesetzten Flügelradzählern systembedingt ein Nachlauf auftritt, der sich quantitativ um so mehr im Messergebnis zu ungunsten des Kunden niederschlägt, je öfter man Wasserentnahmen tätigt … daher steigt der absolute Fehler ungefähr proportional mit der Anzahl der Entnahmevorgänge und reziprok proportional zur jeweil entnommenen Wassermenge

… auf gut deutsch: Je öfter kleinere Wassermengen entnommen werden, um so größer ist der absolute Messfehler über die Gesamtentnahmemenge.



Das Saarland ist der Mittelpunkt der Welt, das Land der begrenzten Unmöglichkeiten.
Dauer: 3:40 Aufrufe: 2.534

Da können Sie mit Ihrer *Paragrafenreiterei* durch die Gegend galoppieren wie sie wollen; an dem systembedingten Messfehler – auch bei korrekt kalibrierten Flügelradzählern – beißt die Maus kein‘ Faden ab

Jürgen Lang 2011.07.13 12:46

Guten Tag,
als ehemaliger stellvertretender Prüfstellenleiter für Wassermessgeräte, kann ich den Ausführungen von Herrn Buchholz nur zustimmen. Diese ganze Diskusion ist ein Vergleich von Äpfeln und Birnen.
Der Gesetzgeber (PTB) sagt eindeutig, welche Prüfpunkte bei der Eichung anzuwenden sind. Der kritische Kleinlastbereich, Qmin wird mit einem Durchfluss von 50l/h gemessen mit einer Prüfmenge von 50Litern. Hierbei ist die Eichfehlergrenze +/- 5,0%. Der Wasserzähler muß beim Einbau beim Kunden nur die Verkehrsfehlergrenze, also +/- 10,0% einhalten. Das ist ein Faktum.
Alle anderen Messexperimente ( 20x 1Liter zapfen) ist als Fehlerermittlung Nonsens.
Wenn ein Autohersteller dem Käufer mitteilt, sein Auto verbraucht in der Stadt 10 Liter Kraftstoff, dass ist das ein Durchschnittswert. Fährt man Stop and Go, ist der Kraftstoffverbrauch keine 10l mehr, sondern 20 Liter.
Die eingesetzten Wasserzähler entsprechen dem Eichrecht, den technischen Anforderungen und dem aktuellen Stand der Technik.
Die wenigsten „Experten“ und Besserwisser haben das notwendige Wissen in dieser Sache, also, man sollte diese unnötige Diskusion beenden.

Jürgen Lang

http://www.saarbruecker-zeitung.de/sz-berichte/saarland/Gesetz-fordert-genaue-Abrechnung;art2814,3845246

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3 Kommentare zu “Wenn die Zähler falsch ticken , ,,zwischen Nonsens und Fakten “.

  1. Wasserwerke müssen nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) Wohnungseigentümern beim Sparen helfen. Nach dem aktuellen Urteil aus Karlsruhe müssen die Wasserversorger die Zähler austauschen, wenn dies dem neuen technischen Standard entspricht und der Kunde damit Gebühren sparen kann. (Az.: VIII ZR 97/09)
    mehr lesen
    http://www.sykosch.de/index.php?id=04000000&newsid=1360

    ZENNER Mehrstrahl-Flügelradzähler sind ideal zur exakten Erfassung des Kalt- oder Warmwasserverbrauchs bereits ab einem Nenndurchfluss von 1,5 m³ pro Stunde. Die Zähler sind geeignet, um damit den Wasserverbrauch eines ganzen Gebäudes oder den von Großverbrauchern (z. B. Gewerbenutzern) zu messen.
    http://www.zenner.de/cps/rde/xchg/SID-7F000002-9AC8E8FB/zenner/hs.xsl/3356.htm

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