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Gute Seiten, schlechte Seiten

Redaktionsmanager und ihre Spielräume

20. Juni, 2010 von Christian Lindner

Wer ist daran schuld, dass es in der deutschen Medienlandschaft, ob nun gedruckt oder im Netz, nicht mehr investigativen Journalismus gibt? Na wer wohl: „die Verleger“. Wer das, etwa bei Medienkongressen, behauptet, der erntet selten Widerspruch, sieht stattdessen viele Zuhörer nicken. Verleger sind bei solchen Treffen fast nie im Raum, und auch dieser Schwarze Peter lässt sich ihnen nicht nur deshalb gut ans feine Tuch ihrer grauen Anzüge heften: Wenn etwas nicht wie gewünscht läuft in den deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen, dann eignet sich die kleine Schar der Geschäftsführer, geschäftsführenden Gesellschafter oder Gesellschafter trefflich als Buhmann. Das passt meist ins Weltbild der Tagenden, und die Generalverdächtigen sind so herrlich angreifbar und komfortabel fern in einem.

Dr. Mercedes Bunz

Dr. Mercedes Bunz

Auch bei den hervorragenden Frankfurter Tagen des Online-Journalismus 2010 (”Strg – Alt -Entf? Neustart für den Journalismus”) war dies wieder zu registrieren – wenngleich diese Thematik dort nicht im Mittelpunkt stand. Dr. Mercedes Bunz, bis Herbst 2009 Chefredakteurin von Tagesspiegel Online, seither „Reporter for Technology and Media“ beim Londoner Guardian, stieß dort in das so gern geblasene Horn: „Die Verleger“ müssten es den Redaktionen ermöglichen, mehr zu recherchieren. Bunz in ihrem nachhörenswerten, weil hilfreich konkreten Vortrag (dankenswerterweise per Video auf der Internet-Seite des Hessischen Rundfunks komplett dokumentiert) wörtlich: “Wenn die Verlage Redakteuren Zeit geben, zu recherchieren, dann ist er (= der Online-Journalismus) auch sehr gut.” (Im Video ab Minute 3.30)

Das stimmt ein bisschen, und zugleich stimmt es weitgehend nicht. Natürlich: Medienunternehmen, die bewusst, zur Gewinnmaximierung oder aus der Not heraus, gerade so viel Personal beschäftigen, wie es braucht, um gleichsam nur die hohle Fassade einer Zeitung oder Zeitschrift auf den Markt zu bringen, tragen auf oberster Ebene die Schuld daran, dass diese Blätter ihrer publizistischen Aufgabe nicht gerecht werden können.

Die meisten Verlage in Deutschland aber leisten sich nach wie vor deutlich mehr als Rumpfmannschaften, nicht viel weniger auch inhaltlichen Anspruch. Und in all diesen Häusern liegt Verantwortung für engagierten Journalismus nicht auf der Ebene der Verleger, sondern bei den Journalisten selber. Genauer gesagt: beim Redaktionsmanagement. Hier wird faktisch die Entscheidung getroffen, ob Journalisten Zeit zum Recherchieren haben – oder mit zu viel Routinen blockiert werden.

Wer glaubt, dass Verleger etwa investigative Recherche anordnen oder verhindern, der verkennt die reale Aufgabenteilung in Verlagen. Verleger und Geschäftsführer sorgen für Ressourcen wie Personal und Geld, Technik und Papier. Für die Entscheidungen, was im Bereich der Redaktion mit diesen Ressourcen getan, gemacht und auch gelassen wird, beschäftigen Verlage Redaktionsmanager wie Chefredakteure, Ressortleiter und Lokalchefs. Diese entscheiden faktisch in viel stärkerem Maße, als außerhalb von Verlagen geglaubt wird, was ihr Medium mit und aus seinen Ressourcen macht – oder eben auch nicht

Konkret: Wenn etwa ein Chefredakteur einer regionalen Tageszeitung – ob sie nun 80 oder 160 Redakteure hat – zur Erfüllung des publizistischen Auftrages seiner Publikation, zur Steigerung des Ansehens seines Blattes oder auch nur zum Aufbrechen verfestigter Redaktionsstrukturen ein mehrköpfiges Recherche-Ressort schaffen will, dann kann und wird er das tun.

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http://blog.rhein-zeitung.de/?p=9350

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                  

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